Wir in den Medien

Papenburger Verein baut Kinderheim in Kenia aus

Papenburg. Der Verein „Nyeri Kinderhilfe“ aus Papenburg baut seine Unterstützung für Straßenkinder und Aidswaisen in Kenia weiter aus – im wahrsten Sinne des Wortes. Das Heim, das der Verein in dem afrikanischen Land seit Jahren betreibt, wird unter eigener Regie erstmals im größeren Stil umgebaut und erweitert. Damit kommt er seinem Ziel, zehn weitere Mädchen und Jungen unterzubringen, immer näher.

Die Baupläne wurden unentgeltlich in Papenburg und Westoverledingen geschmiedet und mit einem Bauunternehmer vor Ort umgesetzt. Aktuell sind die Arbeiten auf der Zielgeraden. Bis Jahresende sollen sie komplett abgeschlossen sein. Das Gesamtinvestitionsvolumen umfasst rund 54.000 Euro. Den Löwenanteil (30.000 Euro) schultert der etwa 80 Mitglieder zählende Verein dank Spendengeldern und Benefizaktionen selbst. Den Rest übernimmt die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung .

Unterstützung seit zehn Jahren

„Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem sich wieder richtig etwas verändert“, sagt Vorsitzender Nikolaus Nordmann. Seit mehr als zehn Jahren unterstützen der Papenburger und seine Mitstreiter kontinuierlich etwa 30 Kinder und Jugendliche in einem Heim in Nyeri, das rund 100 Kilometer nördlich der kenianischen Hauptstadt Nairobi liegt. Mit der Erweiterung werden es künftig 40 junge Menschen sein. Außerdem will der Verein bis zu 20 Kinder, die nicht in dem Heim leben, extern fördern. Sie haben Nordmann zufolge zwar noch Familien, bei denen sie wohnen, von ihnen aber nicht ernährt und gefördert werden können.

Vorbereitung auf eigenständiges Leben

Mithilfe des Vereins sollen alle Schützlinge der Nyeri Kinderhilfe auf ein eigenständiges Leben vorbereitet werden. Dabei spielt die schulische Bildung und Ausbildung eine herausragende Rolle. Nach Angaben des Vorstandes haben inzwischen acht Kinder das Heim verlassen. „Alle haben Jobs. Keiner ist zurück auf der Straße gelandet“, berichtet Nordmann.

28 Kinder werden derzeit betreut

Vor einigen Jahren hat der Verein das komplette Gelände der Einrichtung gekauft. Zudem ist die Nyeri Kinderhilfe inzwischen auch als offizielle Hilfsorganisation in Kenia anerkannt. Zurzeit werden in dem Heim 28 Kinder im Alter von 4 bis 23 Jahren betreut. Die meisten sind jünger als 16 Jahre.

Die Bauarbeiten umfassten Nordmann zufolge die komplette Neugestaltung der Schlafräume, den Küchentrakt mit Lagerräumen und den Essenssaal. Dafür wurde ein marodes Gebäude abgerissen. Außerdem entstehen ein Mehrzweckraum und Büros, die bisher in den Wohntrakt integriert waren. Für die bestehenden Räume stand eine Renovierung an. Die Neubauten werden durch eine zusätzliche Mauer und ein Eisentor gesichert. Für die Küche gibt es energieeffiziente Öfen.

Die Pläne wurden während eines Besuches Nordmanns vor Ort im Januar entwickelt. Die Planung übernahm Frank Janssen, Bauunternehmer aus Westoverledingen und Vereinsmitglied, – ehrenamtlich versteht sich. „Die Pläne haben wir uns per Handy über Whatsapp hin- und hergeschickt, bis das Ergebnis stand“, berichtet Nordmann.

Fotos vom Fortschritt des Baus

Dann suchte sich der Verein in Jophat Mwangi Wambugu einen Bauunternehmer vor Ort. Der Vertrag mit ihm habe in Nyeri notariell beglaubigt werden müssen, sagt Nordmann. Darin sei unter anderem festgehalten, dass Zahlungen erst nach Fertigstellung einzelner Bauphasen erfolgen sollten. „Das war uns wichtig.“ Auch die Umweltstiftung habe laufende Nachweise über den Fortgang des Projektes gefordert und das Geld stufenweise ausgezahlt. „Andernfalls hätten wir länger warten müssen“, so der Vereinschef.

Während der gesamten Bauphase wurde der Vorstand in Papenburg mithilfe der Heimmitarbeiterin Rachel Gitau über den Stand der Arbeit auf dem Laufenden gehalten, indem sie unter anderem regelmäßig Fotos schickte. Im November machten sich Nordmann und Janssen aber auch ein persönlich ein Bild vor Ort. „Zu unserer großen Freude und Erleichterung stellten wir fest, dass soweit alles zu unserer Zufriedenheit durchgeführt worden war“, berichtet Nordmann. Der Vorsitzende räumt ein, dass er anfangs durchaus Bedenken und Bauchschmerzen gehabt habe. „Im Nachhinein muss man aber sagen, dass es wirklich gut gelaufen ist.“

Auch Frank Janssen ist zufrieden. „Zwischen Erstgespräch und Endabnahme liegen nur zwölf Monate. Damit hätte ich nicht gerechnet. Das muss man erst einmal hinkriegen“, lobt der Westoverledinger. Nordmann hatte für das Bauprojekt nach eigenem Bekunden zwei bis drei Jahre veranschlagt. Schließlich sei buchstäblich alles per Hand errichtet worden. „So wie bei uns in den 50er-Jahren“, sagt Janssen. Unter anderem seien die Steine in Form geklopft und Wände vor dem Aufbau auf dem Boden ausgelegt worden, indem sie die Arbeiter regelrecht zusammengepuzzelt hätten.

Finanzierungsbedarf wird steigen

Der Verein wirbt für seine Arbeit derweil mehr denn je um Spenden und Patenschaften für seine Schützlinge. „Mehr Kinder bedeuten natürlich auch mehr Kosten“, sagt Nikolaus Nordmann. Er geht davon aus, dass der jährliche Finanzierungsbedarf von derzeit etwa 25.000 Euro auf 35.000 bis 40.000 Euro steigen wird.

Einen großen Beitrag zur Finanzierung der Vereinsarbeit leistet bereits seit einigen Jahren die Westoverledinger Rockband „Hearts Fear“ , in der Bauunternehmer Janssen übrigens den Bass zupft. Sie hat mit nur vier Benefizkonzerten insgesamt mehr als 50.000 Euro eingespielt. Allein bei dem jüngsten anlässlich des 40-jährigen Bestehens des Schulzentrums Collhusen in der Ihrhover Reithalle waren knapp 11.000 Euro zusammengekommen. „Ohne dieses Geld hätten wir das Neubauprojekt nicht in Angriff nehmen können“, betont Nordmann.

Mit freundlicher Genehmigung der Ems-Zeitung (Herrn Schade).